Verkehr – geht das überhaupt?

Vor einigen Tagen wurde wohl das ganze Stadtgebiet von Freilassing mit einer 16-seitigen Werbebroschüre “versorgt”. Ein besonders schwerer Kritikpunkt in Hinblick auf das vermeintliche “Leuchtturmprojekt” ist bis heute das Thema “Verkehr”. Sucht man in dieser Werbeaussendung nach diesem Thema, wird man auf Seite 15 mit gerade mal acht Textzeilen zum Thema Verkehr und Abgase sowie auf Seite 12 mit ca. zweieinhalb Zeilen “abgehandelt”.

Stellplätze - Originaltext Seite 12

“Es werden insgesamt 162 unterirdische Stellplätze in zwei Tiefgaragen entstehen. Hinzu kommen noch einmal 54 oberirdische Parkplätze für Besucher. Die Tiefgaragenausfahrten und die Stellplätze werden so angeordnet, dass die bestehenden Straßen nicht überlastet werden.”

Dies ist besonders “glatt” formuliert. Denn rein theoretisch zieht dann das “Leuchtturmprojekt” rein planerisch/rechnerisch, mindestens 216 Fahrzeuge an. Alle Freilassinger Bürgerinnen und Bürger die in Straßen mit Tiefgaragen wohnen wissen allerdings, dass die Nutzung der Tiefgaragenstellplätze im täglichen Gebrauch sich auf Wunschdenken und nicht auf die tägliche Realität bezieht. Ebenso dürfte es rein “massenmäßig” in den Stoßzeiten völlig irrelevant sein, wie Einfahrt wie Ausfahrt von Tiefgaraden angeordnet werden. Unbeschadet in die schon jetzt deutlich überlastete Matulusstraße zu kommen wird wohl einem Lotteriespiel näher kommen als vernünftigem Verkehrsfluss auf Straßen die für diese zusätzliche Belastung schlicht nicht ausgelegt und auch nicht entsprechend an das restliche Verkehrsnetz “angebunden” sind. Um zu dieser Beurteilung zu kommen braucht es außer dem gesunden Menschenverstand keinerlei zusätzliche Hilfsmittel.

Wird der zusätzliche Verkehr die Matulusstraße nicht weiter belasten? - Originaltext Seite 15

“Es wird derzeit ein Verkehrskonzept erstellt, das eine Überlastung der vorhandenen Straßen verhindert. Gerade durch die Planungen der Tiefgaragen zu- und -ausfahrten sowie der Anordnung der oberirdischen Parkmöglichkeiten soll eine Steuerung der Verkehrströme ermöglicht werden.”

Entsteht durch die neuen Bewohner und ihre Autos nicht viel zusätzlicher Lärm und Abgase - Originaltext Seite 15

Die Fahrten in das neue neue Quartier sollen durch ein Verkehrskonzept gesteuert werden, so dass neben dem Verkehr auch Lärm und Abgase entsprechend geleitet werden. Darüber hinaus werden verkehrsfreie Flächen im Quartier selbst entstehen. Durch verschiedene Angebote, wie Fahrradgaragen, sollen zudem Fahrten mit dem Auto verringert werden.

Auch diese beiden Punkte sind äußerst kurz und im Prinzip ohne jede verbindliche Aussage gehalten.

Es werden nochmals die unhaltbaren Aussagen zu den Tiefgaragenzufahrten und -ausfahrten wiederholt. 

Was man normal am Anfang so eines Vorhabens macht, und zwar ganz am Anfang, ist ein Verkehrskonzept. Dieses wird also nun, mehr als zwei Jahre nach der offiziellen Projektvorstellung am 20.5.2018 im Stadtrat also “derzeit” erarbeitet. Anders gesagt, hier hätte drauflos gebaut werden sollen, ohne den wichtigsten Punkt überhaupt vorher abzuklären. 

Die Erfahrung sagt ganz schlicht und einfach, dass Tiefgaragenstellplätze tagsüber praktisch gar nicht, und auch nachts keinesfalls in vollem Umfange genutzt werden. Zwang, sein Auto in die Tiefgarage fahren zu “müssen”, kann nicht ausgeübt werden. Seit Jahren handelt es sich bei der Anbindung der Matulusstraße in alle möglichen Richtungen auch ohne “Leuchtturmprojekt” um einen herausragenden Problemfall in Freilassing. Besonders fragwürdig ist der Text in Hinblick auf die suggerierte Wirkung der Anordnung von Einfahrten auf die Steuerung von Verkehrsströmen. 

Das Verkehrskonzept kann nur eines feststellen. Es müssen die theoretischen 216 Fahrzeuge zu Stoßzeiten in den Verkehr eingefädelt werden. Dies wird in einer bereits jetzt zugeparkten Straße schlicht und einfach im Chaos enden. 

Wo die Abgase und der Lärm abbleiben? Dies dürfte keine Frage sein. Vor Ort.

 

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