Denkmalschutz gegen Architektur

Die Villa...und der Umgang der Planer mit ihr...

Zitat aus dem Werbeprospekt:

“Wir nehmen Rücksicht auf die denkmalgeschützte Villa, indem wir in der direkten Umgebung die bestehenden Bäume und Freiräume erhalten. Damit kann auch in Zukunft das Gebäude seine eigene Wirkung entfalten.”

Freilassinger Bestand an architektonisch wertvollen Gebäuden - Zitate von Bürgern:

In einem der wenigen Freilassinger Gebäude die zu erhalten für Wert befunden wurden, dem alten Feuerwehrhaus, war eine Ausstellung zum Thema. 

Aus dem Museumsbuch stammen folgenden Zitate:

Museumsbuch - Auszüge zur Ausstellung "Ein Haus, ein Baum, ein Baggerzaun".

„Sehr interessant! Erschütternd, wieviel Schönes kaputt gemacht wurde!“

„Wie schön einmal Freilassing war, vielen lieben Dank für die tollen Einblicke und besondere Grüße an alle Architekten“

„Die Ausstellung macht sehr nachdenklich. Hoffentlich findet Freilassing in unserer Zeit zu schönerem Bauen als es derzeit stattfindet“

„Interessante Ausstellung, leider ist vieles nicht schöner geworden“

„Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wie sich bauliche Entwicklung auswirken kann, besonders was die öffentlichen Gebäude und auch Gebäude des sozialen Lebens wie Rathaus, Schulen, Gasthäuser, Vereinsgebäude angeht, hat es viele Veränderungen gegeben, die nicht als Bereicherung gelten können. Hier sehe ich Versäumnisse und wünsche mir, dass künftig mehr Aufmerksamkeit auf einen respektvollen, bewahrenden Umgang mit der für die Identität des Ortes wichtigen Bausubstanz gerichtet wird. Mit einer qualitativ hochwertigen Architektur darauf zu antworten wäre die Aufgabe, um atmosphärische Stadträume zu schaffen. Eines der wichtigsten Beispiele hierfür wäre der Salzburger Platz – unser „Entree zur Innenstadt““

„Vielen Dank für die mit Liebe und Ortskenntnis zusammengestellte Ausstellung! Da wird deutlich, Freilassing hatte einstmals doch eine ganze Reihe stattlicher Gebäude, die inzwischen alle verschwunden sind.”

„Eine Bereicherung, diese Ausstellung, jedoch nicht jedes neue Gebäude!“

„Vielen Dank für die Ausstellung! Sie führt vor Augen, die zahlreichen Bausünden, vor allem in der Freilassinger Innenstadt, unverzeihlich empfinde ich bis heute den Abriss des alten Rathauses, alle Gebäude mit Seele wurden nach und nach entfernt. Es tut fast schon weh, die Bilder anzusehen.“

„Danke für die Ausstellung. Sie führt uns vor Augen, was eine Generation imstande ist, kaputt zu machen. Freilassing ist für mich ein Paradebeispiel von stumpfsinniger Zerstörung. Es ist die schrecklichste Ansiedlung von ganz Oberbayern.“

“Eine ganz tolle Ausstellung. Einiges ist noch von früher bekannt. Manches war früher besser, manches jetzt. Der Meinung, dass Freilassing zerstört wurde, bin ich nicht.”

„Nostalgie pur – auch mit etwas Wehmut.“

„Eine sehr gelungene Darstellung der Veränderungen in Freilassing. Meiner Meinung nach war die Bebauung früher wesentlich vielfältiger und interessanter. Auch das Stadtleben hatte wohl einen höheren Stellenwert, was man an den vielen Gasthöfen, Veranstaltungsräumen und Geschäften sehen kann, die es vor Jahrzehnten gab.“

„Früher war Kunst das, was andere nicht konnten. Heute ist Kunst das, was andere nicht mehr verstehen können“

„Sehr interessant, wie hat sich Freilassing doch verändert, manches leider nicht zum Vorteil.“

„Freilassing als Goldgräberstadt im schönen Alpenvorland. Waren es früher die geschäftlichen Möglichkeiten an der Grenze zu Salzburg, so sind es heute die Wohnungen, die sich gut verkaufen lassen. Leider  brachte das ein rücksichtsloses Bauinteresse gegenüber bestehender Bausubstanz und Grünland. Beispiele gibt es genug! Danke für die Ausstellung, leider auch ein Stück Heimat.“

„Eine Ausstellung der kompletten Bausünden, die neue Sparkasse fehlt noch.“

„So schön war Freilassing“

„Danke für die Mühe, die Ausstellung ist eindrucksvoll. Schade um die vielen alten Stadtbildprägenden Gebäude, die beseitigt wurden“

“Respekt vor dieser einzigartigen „Suchleistung“ Es ist eine mühsame Arbeit, die Suche nach Bildern zum Erfolg zu führen. Schade, dass so viele architektonisch gute Gebäude dem Zeitgeist zum Opfer gefallen sind. Trotzdem eine tolle Übersicht über die Zeitgeschichte Freilassings.”

"Leuchtturmprojekt" und Denkmalschutz

Zum Leidwesen werden die Goldgräbermöglichkeiten am “Leuchtturmprojekt” deutlich eingeschränkt durch die sogenannte Heilingbrunner Villa. 

Es handelt sich um ein Gebäude im Landhausstil, mit Turm, hölzernen Balkons und Schuppenschindel-Verkleidung am Obergeschoß, das um die vorletzte Jahrhundertwende (ca. 1900) erbaut wurde und als Baudenkmal unter Akten-Nr. D-1.72-118-2 in der Bayerischen Denkmalliste eingetragen ist. Die Baye­rische Denkmalliste wird vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in Mün­chen geführt.
Die zur denkmalgeschützten Villa gehörige Natur-und Kulturlandschaft wird – ent­gegen den Ausführungen auf S. 20 – gerade nicht gewahrt, sondern zerstört.

Laut einem Urteil des BayVGH müssen sich neue Bauten an dem vom Denkmal gesetzten Maßstab messen las­sen, dürfen es nicht gleichsam erdrücken, verdrängen, übertönen oder die gebotene Achtung gegenüber den im Denkmal verkörperten Werten vermissen lassen. 

Natürlich lässt sich über Geschmack trefflich streiten. Dies ist unbestritten. Unbestritten ist aber auch, und zwar völlig objektiv, dass in den letzten Jahren in Freilassing Gebäude gebaut wurden, denen man nicht ansieht, dass diese von einem Architekten gezeichnet worden wären. 

Vielmehr erinnern manche Gebäude an einen Sankasten mit Klötzchen spielenden Kindern. Um nichts anderes handelt es sich bei der sogenannten Architektur des “Leuchtturmprojektes”.

Klotz an Klotz, Schuhschachtel an Schuhschachte. Eben jene sogenannte “Architektur”, die einer der Bauträger als heilbringende Bauweise für die ach so minderwertige Stadtlandschaft Freilassings vorgestellt hat.

Frei nach dem Motto, etwas Entwicklungshilfe aus Salzburg in Sachen “Schuhschachtelarchitektur” kann Freilassing nur gut tun.

Tut es nicht. Man sieht das an gesichtslosen aber glitzernden Schachtelfassaden an der Laufener Straße, man sieht es an einem ebenso gesichtslosen Neubau an der Schillerstraße, die Liste kann um einiges verlängert werden.

Zurück zu den Grundsätzen

Die vorliegende Planung ist mit den o.g. obergerichtlichen  Grundsätzen aus mehreren Gründen nicht vereinbar.

Die bisher vorhandene Trennung des Denkmals von der Wohnbebauung im Süden und Südosten würde durch die geplante Bebauung aufgehoben. Die für das Er­scheinungsbild der Villa wichtige Distanzwirkung würde damit aufgelöst. Wie das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege im Schreiben vom 05. 06. 2018 darlegt, wurde die sog. Heiligenbrunner Villa seinerzeit bewusst im Grünen errichtet und möglicherweise auch in eine gestaltete Parkanlage komponiert. Gerade die Verbin­dung aus herrschaftlichen Villengebäude mit unverbautem grünen Umgriff verkörerl daher einen wesentlichen und damit auch schützenswerten Wert des Bau­denkmals.

Der Blick aufs Denkmal würde durch die geplante dichte Bebauung erheblich be­einträchtigt. Auf „Durchblicke zum Wohnbau” kommt es dagegen, anders als der Vorentwurf der Begründung offenbar meint, nicht an. Diese „Durchblicke” auf die geplante Wohnung verstärken im Gegenteil deren das Denkmal erdrückende Wir­kung. Das Denkmal benötigt ferner keinen zusätzlichen „Sichtschutz”; vielmehr ist der derzeit noch gegebene Blick aufs Denkmal zu erhalten.

Wenn der Vorentwurf ferner ausführt, das „Alleinstellungsmerkmal der Villa” würde ,,gestärkt”, so werden damit die Anforderungen des Denkmalschutzes schon im An­satz verkannt. Es geht gerade nicht darum, das „Alleinstellungsmerkmal” der Villa zu stärken. Mit dieser Begründung könnte man jede beliebige Verunstaltung der Um­gebung rechtfertigen. Vielmehr folgt aus dem denkmalschutzrechtlichen Umge­bungsschutz gerade umgekehrt, dass eine Planung nicht nur das Denkmal „allein” zu schützen hat, sondern auch dessen Umgebung, soweit sie auf das Erschei­nungsbild des Denkmals, dessen Wirkung und Ausstrahlungskraft Einfluss hat.

Ein besonderes Element der Unruhe, das mit dem Denkmalschutz nicht vereinbar ist, wird schließlich durch den erheblichen An-und Abfahrtsverkehr geschaffen, der durch die insgesamt „etwa” 246 Stellplätze ausgelöst wird (vgl. S. 21 ). Der gesamte An-und Abfahrtsverkehr findet in nächster Nähe zum Denkmal auf der Zu­fahrt zur Villa (mit derzeit nur zwei Stellplätzen) statt. Völlig abgesehen von der zu­sätzlichen Lärmbelastung „übertönen” diese Vielzahl an Stellplätzen und der durch sie ausgelöste An-und Abfahrtsverkehr im Sinne der oben zitierten verwaltungsge­richtlichen Rechtsprechung das Denkmal und lassen die gebotene Achtung gegen­über den darin verkörperten Werten vermissen.  

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